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Studium abgeschlossen – und dann?

1. Aug.
4 Min. Lesezeit

Warum fehlende Umzugsbereitschaft viele Karrierechancen im Agribusiness ausschließt


Beitrag in der Blog-Serie: 'Stellenwechsel im Agribusiness' einschließlich Heimtier- und Tiergesundheitssektor – mit Dr. Jochen Riebensahm | Riebensahm Agribusiness Recruiting


Vor einiger Zeit sprach ich mit einem promovierten Agrarwissenschaftler, spezialisiert auf Geflügelernährung. Fachlich brachte er alles mit, was Unternehmen im Agribusiness suchen: ein anspruchsvolles Studium, eine Promotion und fundierte wissenschaftliche Expertise.

Dennoch arbeitet er mehr als zwei Jahre nach seiner Promotion nicht in seinem Fachgebiet, sondern bei McDonald’s.

Der Grund war weder mangelnde Qualifikation noch das Fehlen geeigneter Stellenangebote. Entscheidend war, dass er seinen Wohnort nicht verlassen wollte. Freunde, sein soziales Umfeld und die Haltung seines Pferdes hatten für ihn eine hohe Bedeutung. Ein Umzug kam daher nicht infrage.

Damit stellt sich eine unbequeme, aber berechtigte Frage: War es das Ziel eines anspruchsvollen Studiums und einer mehrjährigen Promotion, anschließend dauerhaft in einer Tätigkeit zu arbeiten, die mit der eigenen Qualifikation kaum etwas zu tun hat?


Absolvent Umzugsbereitschaft Karriere
Bedeutung des Standortes für die Jobwahl;Foto: KI-generiert

Der Wunsch, am Hochschulstandort zu bleiben

Viele Absolventen landwirtschaftlicher Hochschulen und Universitäten möchten nach ihrem Abschluss in der Region bleiben. Das ist nachvollziehbar: Während des Studiums entstehen Freundschaften, Partnerschaften und persönliche Bindungen. Der Studienort wird häufig zum Lebensmittelpunkt.

Der Arbeitsmarkt im Agribusiness richtet sich jedoch nicht nach den Standorten der Hochschulen. Viele Hochschulorte liegen in Regionen, in denen es – abgesehen von der Hochschule selbst – nur wenige Arbeitgeber mit qualifizierten Einstiegspositionen gibt. Möglichkeiten bestehen teilweise im regionalen Vertrieb oder in der Beratung. Wer jedoch eine andere fachliche oder funktionale Laufbahn anstrebt, findet vor Ort häufig nur ein begrenztes Angebot.


Hochschulstandorte sind selten Unternehmensstandorte

Die Standorte der Agribusiness-Unternehmen sind historisch gewachsen und befinden sich nur selten dort, wo landwirtschaftliche Hochschulen oder Universitäten angesiedelt sind. Mit wenigen Ausnahmen gilt dies für nahezu alle Teilbranchen.

Wer seinen Suchradius auf den Hochschulstandort beschränkt, reduziert seinen potenziellen Arbeitsmarkt deshalb auf einen kleinen regionalen Ausschnitt.

Besonders häufig fehlen geeignete Einstiegspositionen in Bereichen wie:

• Produktmanagement

• Forschung und Entwicklung

• Qualitäts- und Nachhaltigkeitsmanagement

• Produktion und Einkauf

• Unternehmens- und Projektentwicklung

• Zulassung und regulatorische Aufgaben


Gerade diese Funktionen bieten häufig gute Entwicklungsmöglichkeiten und bilden die Grundlage für spätere Spezialisten-, Projektleitungs- oder Führungsaufgaben.


Fehlende Umzugsbereitschaft kann bis zu 95 Prozent der Möglichkeiten ausschließen

Unsere langjährige Beratungspraxis zeigt: Wer seinen Suchradius nach Ausbildung, Studium oder Promotion konsequent auf den bisherigen Wohnort begrenzt, schließt – je nach Fachgebiet – bis zu 95 Prozent der grundsätzlich passenden Stellenangebote aus.

Diese Zahl ist keine wissenschaftliche Statistik, sondern eine belastbare Einschätzung aus der täglichen Personalberatung.


Je spezialisierter die Qualifikation, desto kleiner ist die Zahl potenzieller Arbeitgeber. Gleichzeitig sind diese Unternehmen häufig über ganz Deutschland oder international verteilt. Ein promovierter Geflügelernährer kann seine Fachkompetenz nur dort einsetzen, wo ein Unternehmen eine entsprechende Position anbietet. Der relevante Arbeitsmarkt endet daher nicht nach 30 oder 50 Kilometern.


Persönliche Bindungen sind wichtig – Entscheidungen haben Konsequenzen

Freunde, Familie, Partner, Tiere und Freizeitaktivitäten gehören zum Leben. Niemand sollte diese Faktoren leichtfertig außer Acht lassen.


Wer sich jedoch bewusst gegen einen Umzug entscheidet, muss akzeptieren, dass sich dadurch die beruflichen Möglichkeiten erheblich einschränken können. Problematisch wird es, wenn gleichzeitig hohe Erwartungen an Aufgabe, Arbeitgeber, Gehalt, Entwicklungsmöglichkeiten und Wohnort gestellt werden.


Der Arbeitsmarkt kann nicht alle Wünsche gleichzeitig erfüllen.


Die ersten Berufsjahre prägen den weiteren Karriereweg

Die ersten drei bis fünf Jahre nach dem Abschluss sind häufig richtungsweisend. In dieser Zeit werden praktische Erfahrungen gesammelt, Kompetenzen aufgebaut und wichtige Netzwerke geknüpft.

Wer direkt nach Studium oder Promotion eine qualifikationsgerechte Position übernimmt, schafft eine solide Grundlage für die weitere Entwicklung. Wer dagegen mehrere Jahre außerhalb seines Fachgebietes arbeitet, verliert häufig den Anschluss.


Mit jedem weiteren Jahr stellen Unternehmen berechtigte Fragen:

  • Warum wurde die vorhandene Qualifikation bisher nicht genutzt?

  • Wie aktuell ist das Fachwissen noch?

  • Weshalb erfolgte bisher kein Einstieg in die Branche?

  • Wie nachhaltig ist die Wechselmotivation?


Ein späterer Einstieg bleibt möglich, wird jedoch zunehmend schwieriger.


Räumliche Flexibilität bedeutet keinen dauerhaften Verzicht

Ein Umzug zum Berufseinstieg bedeutet nicht, den bisherigen Lebensmittelpunkt dauerhaft aufzugeben.


Viele Absolventen sammeln zunächst einige Jahre Berufserfahrung bei einem geeigneten Arbeitgeber und kehren später – mit deutlich besseren Karrierechancen – in ihre Wunschregion zurück.


Der erste Wohnort nach Studium oder Promotion muss nicht der letzte sein. Die erste qualifizierte Position kann jedoch entscheidend dafür sein, welche Möglichkeiten sich später eröffnen.


Unser Rat an Absolventen

Wer kurz vor dem Ende seiner Ausbildung, seines Studiums oder seiner Promotion steht, sollte den Suchradius nicht vorschnell einschränken.


Fragen Sie sich:

  • Welche Position bietet mir die beste fachliche Entwicklung?

  • Wo kann ich mein Wissen tatsächlich einsetzen?

  • Welcher Arbeitgeber ermöglicht mir den besten Berufseinstieg?

  • Welche Erfahrungen benötige ich für meine langfristigen Karriereziele?


Der Wohnort ist wichtig. Für einen erfolgreichen Berufseinstieg sollte jedoch zunächst die Qualität der Aufgabe im Vordergrund stehen.


Fazit

Ein Studium oder eine Promotion im Agribusiness eröffnet hervorragende berufliche Perspektiven. Diese befinden sich jedoch nur selten am Hochschulstandort.


Wer nicht bereit ist, für den Berufseinstieg umzuziehen, reduziert seinen Arbeitsmarkt häufig erheblich. Im ungünstigsten Fall führt dies dazu, dass trotz hervorragender Qualifikation über Jahre keine fachnahe Tätigkeit aufgenommen wird.


Der Fall des promovierten Geflügelernährers zeigt, wie groß die Diskrepanz zwischen Qualifikation und tatsächlichem Berufsweg werden kann.


Unsere Empfehlung lautet daher: Entscheiden Sie beim Berufseinstieg nicht in erster Linie nach dem Wohnort. Entscheiden Sie nach der Aufgabe, die Ihnen die besten fachlichen und persönlichen Entwicklungsmöglichkeiten bietet.


Sie möchten Ihre Karriere im Agribusiness gezielt planen?

Sie stehen vor dem Berufseinstieg, möchten sich beruflich neu orientieren oder Ihre nächsten Karriereschritte realistisch einschätzen?


Riebensahm Agribusiness Recruiting unterstützt Sie mit einem professionellen Karrierecoaching – individuell, praxisnah und mit fundierter Branchenkenntnis.

Gemeinsam analysieren wir Ihre Qualifikation, Ihre beruflichen Ziele und Ihre persönlichen Rahmenbedingungen. Daraus entwickeln wir eine klare und realistische Strategie für Ihren nächsten Karriereschritt im Agribusiness.


Kontaktieren Sie Ihren persönlichen Branchenspezialisten der Riebensahm Agribusiness Recruiting für ein unverbindliches Erstgespräch. Selbstverständlich behandeln wir Ihre Anfrage streng vertraulich.

  • Lars Armstroff | Business Lead 'AgTech'

  • Stefano Pettinella | Business Lead 'Pet, Horse & Apiculture’

  • Michael Witt | Business Lead 'Crop & Finance'

  • Dr. Jochen Riebensahm | Business Lead ’Livestock & AgTrade’

  • Moritz zu Dohna-Schlodien | Business Lead ’Livestock & AgTrade’


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