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Generation „Silverback“

Aktualisiert: 17. Juli 2023

Boris Pistorius: Ein Lehrexempel für Unternehmen und Zeugnis für die Bedeutung von Ü50 Arbeitnehmern


Ein Blog-Beitrag von Stefano Pettinella - Partner & Pet Industry Lead der Riebensahm Agribusiness Recruiting


Boris Pistorius (63) ist ein Phänomen. Kaum zum deutschen Verteidigungsminister ernannt, wurde er beim ZDF-Politbarometer mit weitem Abstand als beliebtester Politiker Deutschlands geführt. Warum ist das so und was sollte ich als Arbeitgeber daraus für Schlüsse ziehen?

Boris Pistorius ist ein klassischer „Silverback“. Silverbacks sind Arbeitnehmer über 50 (Ü50), deren Mehrwert von Unternehmen gerade in Zeiten des Fachkräftemangels regelmäßig unterschätzt wird.


Silverbacks - Ungenutzte Potentiale

Silverbacks verfügen über jahrzehntelange Erfahrung, Silverbacks haben „ihre Hörner abgestoßen“. Silverbacks haben im Laufe ihres Berufslebens fast alles schon gesehen und erlebt. Silverbacks haben es nicht mehr nötig ihr Ego zur Schau zu tragen, produzieren keine heiße Luft, um nach außen besser dazustehen. Silverbacks können mit den unterschiedlichsten Charakteren umgehen. Silverbacks verschwenden keine Zeit mit Dingen, die nicht zielführend oder unproduktiv sind.


Pistorius galt eigentlich nicht als Experte für das Amt des Verteidigungsministers und trotzdem hat er bislang fast alles richtig gemacht. Sein Metier, die Politik, hat er von der Pike auf gelernt, zunächst als Oberbürgermeister in der Kommunalpolitik, dann in verschiedenen Ministerämtern auf Landesebene. Durch seinen reichen Erfahrungsschatz hat er seinen jetzigen Job auf Bundesebene fest im Griff. Von Anfang an ließ er keinen Zweifel, dass er die anstehenden Herausforderungen innerhalb der Bundeswehr und im Ukraine-Krieg nicht scheute, sondern anpackte. Er zögerte auch nicht Köpfe rollen zu lassen. Warum? Er hatte einerseits die Erfahrung, um die Dinge zu sehen wie sie sind, und das Wissen, dass Zaghaftigkeit und Entscheidungsscheu nicht zielführend sind. Und schließlich: Boris Pistorius hat nichts zu verlieren und auch nicht die Notwendigkeit, sich als „everybody’s darling“ zu positionieren, um sich bessere Chancen für die nächste Beförderung auszurechnen.


Boris Pistorius ist ein herausragendes Beispiel dafür, dass ältere, nein „erfahrenere“ Arbeitnehmer eine Bereicherung für Unternehmen sind (es gibt zweifelsohne auch Ausnahmen wie z.B. Pistorius‘ Amtsvorgängerin). Und man sollte angesichts des omnipräsenten Fach- und Führungskräftemangels denken, dass dies in den Führungsetagen der meisten Unternehmen auch angekommen ist. Ist es aber nicht! In der Realität gestaltet sich die Jobsuche für über 50-jährige nach wie vor sehr schwierig. Dies beruht überwiegend auf Vorurteilen: zu teuer, nicht mehr lernfähig, nicht motiviert, gesundheitliche Probleme usw. Aber dies bleiben Vorurteile, die in jedem Einzelfall geprüft werden sollten.


Mir ist es wiederholt passiert, dass vorgestellte Kandidaten aufgrund ihres Alters und ohne dass man sich die Unterlagen angeschaut hatte, sofort ausgemustert wurden – obwohl man die Absage natürlich wesentlich netter formuliert. Sobald man Ü50 Kandidaten näher kennenlernt, sich mit ihrer reichhaltigen und langjährigen Erfahrung und Know-how, ihren Wünschen und Vorstellungen näher auseinandersetzt, stellt man fest, dass die überwiegende Mehrheit die aus meiner Sicht wichtigste Tugend mitbringt: Gelassenheit! Diese souveränere Herangehensweise an Herausforderungen und ihre Weitsicht führt in der Regel zu besseren Ergebnissen. Auch verfügt diese Zielgruppe über ein großes Maß an Sozialkompetenz und hohe Loyalität. Und solange man mit Silverbacks respektvoll und auf Augenhöhe umgeht, ist es wenig wahrscheinlich, dass sie vor der Pensionierung nochmal den Job wechseln.


Es ist offenkundig: Boris Pistorius leidet nicht unter einem großen Ego. Sollte er mal als Bundeskanzler ins Gespräch gebracht werden, wäre es für ihn ok. Und wenn nicht, dann ist es auch ok. Und in der Zwischenzeit konzentriert er sich mutig und willensstark auf seine Aufgaben und macht einen in der Öffentlichkeit weitgehend anerkannten, sehr guten Job.


Stefano Pettinella

Senior Consultant & Partner

Riebensahm Agribusiness Recruiting

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